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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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401
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Endlich wendete sich der Begleiter an den Philo-sophen und sagte:Sie erinnern mich, mein Lehrer,daran, dass Sie ja auch in früherer Zeit, bevor ich Siekennen lernte, an mehreren Universitäten gelebt habenund dass Gerüchte über Ihren Verkehr mit Studirenden,über die Methode Ihres Unterrichts noch aus jenerPeriode im Umlauf sind. Aus dem Tone der Resignation,mit dem Sie eben von den Studenten sprachen, dürftemancher wohl auf eigenthümliche verstimmende Er-fahrungen rathen; ich aber glaube vielmehr, dass Sieeben das erfahren und gesehen haben, was jeder dorterfährt und sieht, dass Sie aber dies strenger und rich-tiger beurtheilt haben als jeder andere. Denn sovielhabe ich aus Ihrem Umgänge gelernt, dass die merk-würdigsten, lehrreichsten und entscheidenden Erfahrungenund Erlebnisse die alltäglichen sind, dass aber geradedas, was als ungeheures Räthsel vor aller Augen liegt,von den wenigsten als Räthsel verstanden wird, und dassfür die wenigen rechten Philosophen eben diese Problemeunberührt, mitten auf der Fahrstrasse und gleichsamunter den Füssen der Menge, liegen bleiben, um vonihnen dann sorgsam aufgehoben zu werden und vonnun an als Edelsteine der Erkenntniss zu leuchten.Vielleicht sagen Sie uns, in der kurzen Pause, die unsnoch bis zur Ankunft Ihres Freundes bleibt, noch etwasüber Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen in der Sphäreder Universität und vollenden damit den Kreis der Be-trachtungen, zu denen wir unwillkürlich in Betreff unsererBildungsanstalten genöthigt worden sind. Zudem sei esuns erlaubt, Sie daran zu erinnern, dass Sie, auf einerfrüheren Stufe Ihrer Besprechungen, mir sogar eine der-artige Verheissung gemacht haben. Von dem Gymnasiumausgehend, behaupteten Sie für dasselbe eine ausser-

Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band IX- 26