Druckschrift 
9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
398
Einzelbild herunterladen
 

398

Philosoph,mein Freund kommt doch noch, und ich habenicht umsonst gewartet. Es wird ein mitternächtlichesWiedersehn wie melden wir ihm doch, dass ich jetztnoch hier bin? Auf! Ihr Pistolenschützen, jetzt zeigteure Künste einmal! Hört ihr den strengen Rhythmusjener uns begrüssenden Melodie? Diesen Rhythmusmerkt euch und wiederholt ihn in der Reihenfolge eurerExplosionen!

Dies war eine Aufgabe nach unserem Geschmackund unserer Fähigkeit; wir luden so schnell wie möglichund nach kurzer Verständigung erhoben wir unserePistolen nach der von Sternen durchleuchteten Höhe,während jene eindringliche Tonfolge in der Tiefe, nachkurzer Wiederholung, erstarb. Der erste, der zweite unddritte Schuss giengen schneidig in die Nacht hinausjetzt schrie der Philosoph:Falscher Takt!; denn plötz-lich waren wir unserer rhythmischen Aufgabe untreu ge-worden: eine Sternschnuppe kam, unmittelbar nach demdritten Schuss, pfeilschnell heruntergeflogen und fast un-willkürlich ertönte der vierte und fünfte Schuss zugleich,in der Richtung ihres Niederfalls.

Falscher Takt! schrie der Philosoph,wer heissteuch nach Sternschnuppen zu zielen! Das platzt schon vonselbst, ohne euch; man muss wissen, was man will, wennman mit Waffen hantirt.

In diesem Augenblicke wiederholte sich, vom Rheineher herübergetragen, jene, jetzt von zahlreicheren undlauteren Stimmen intonirte Melodie.Man hat uns dochverstanden, rief lachend mein Freund,und wer kannauch widerstehen, wenn so ein leuchtendes Gespenst ge-rade in Schussweite kommt?Still! unterbrach ihnder Begleiter,was mag das für ein Schwarm sein, deruns dies Signal entgegensingt? Ich rathe auf zwanzig