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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Gerade diese Stunde war für uns so ausgesucht, unsereStimmung war so vorbereitet, wir sassen da wie offeneGefässe nun scheint es, dass wir uns mit dieser neuenWeisheit überfüllt haben, denn ich weiss mir gar nichtmehr zu helfen, und wenn mich jemand fragte, was icham morgenden Tage thun wolle oder was ich überhauptmir von jetzt ab zu thun vor nähme, so würde ich garnicht zu antworten wissen. Denn offenbar haben wir bisjetzt ganz anders gelebt, ganz anders uns gebildet, als esrecht ist aber was machen wir, um über die Kluftvon heute zu morgen hinwegzukommen?

Ja, bestätigte mein Freund,so geht es auch mir,so frage ich gleichfalls: dann aber ist mirs, als ob ichüberhaupt durch so hohe und ideale Ansichten über dieAufgabe der deutschen Bildung von ihr fortgescheuchtwürde, ja als ob ich nicht würdig sei, an ihrem Werkemitzubauen. Ich sehe nur einen glänzenden Zug derallerreichsten Naturen nach jenem Ziele sich hin-bewegen , ich ahne, über welche Abgründe hin, anwelchen Verlockungen vorbei dieser Zug führt. Wer darfso kühn sein, diesem Zuge sich zuzugesellen?

Hier wendete sich auch der Begleiter wieder an denPhilosophen und sagte:Verargen Sie es auch mir nicht,wenn ich etwas Ähnliches empfinde und wenn ich es jetztvor Ihnen ausspreche. In der Unterredung mit Ihnengeht es mir oft so, dass ich mich über mich selbst hin-ausgehoben fühle und mich an Ihrem Muthe, Ihren Hoff-nungen, bis zum Selbstvergessen, erwärme. Dann kommtein kühlerer Augenblick, irgend ein scharfer Wind derWirklichkeit bringt mich zum Besinnen und dann seheich nur die weit zwischen uns aufgerissne Kluft, überdie Sie selbst mich, wie im Traume, wegtrugen. WasSie Bildung nennen, das schlottert dann um mich herum