Zweiter Vortrag.
(Gehalten am 6. Februar 1872.)
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Meine verehrten Zuhörer! Diejenigen unter Ihnen,welche ich erst von diesem Augenblicke an als meineZuhörer begrüssen darf, und die von meinem vor dreiWochen gehaltenen Vortrage vielleicht nur gerüchtweisevernommen haben, müssen es sich jetzt gefallen lassen,ohne weitere Vorbereitungen mitten in ein ernstes Zwie-gespräch eingeführt zu werden, das ich damals wiederzuer-zählen angefangen habe und an dessen letzte Wendungenich heute erst erinnern werde. Der jüngere Begleiterdes Philosophen hatte soeben in ehrlich-vertraulicherWeise sich vor seinem bedeutenden Lehrmeister ent-schuldigen müssen, weshalb er unmuthig aus seiner bis-herigen Lehrerstellung ausgeschieden sei und in einerselbstgewählten Einsamkeit ungetröstet seine Tage ver-bringe. Am wenigsten sei ein hochmüthiger Dünkel dieUrsache eines solchen Entschlusses gewesen.
„Zuviel,“ sagte der rechtschaffne Jünger, „habe ichvon Ihnen, mein Lehrer, gehört, zu lange bin ich inIhrer Nähe gewesen, um mich an unser bisherigesBildungs- und Erziehungswesen gläubig hingeben zukönnen. Ich empfinde zu deutlich jene heillosen Irr-thümer und Misstände, auf die Sie mit dem Finger zuzeigen pflegten: und doch merke ich wenig von derKraft in mir, mit der ich, bei tapferem Kampfe, Erfolgehaben würde, mit der ich die Bollwerke dieser angeblichen