Trieb nach Verringerung und Abschwächung derBildung selbst. Die Bildung soll aus verschiedenenGründen in die allerweitesten K reise getragen werden —das verlangt die eine Tendenz. Die andere muthet da-gegen der Bildung selbst zu, ihr e höchsten edelsten underhabensten A nsprüche aufzugebe n und sich im Diensteirgend einer ander n Lebensform, etwa des Staates, zubescheiden.
Ich glaube bemerkt zu haben, von welcher Seite ausder Ruf nach möglichster Erweiterung und Ausbreitungder Bildung am deutlichsten erschallt. Diese Erweiterunggehört unter die beliebten nationalökonomischen Dogmender Gegenwart. Möglichst viel Erkenntniss und Bildung —daher möglichst viel Production und Bedürfniss — dahermöglichst viel Glück: — so lautet etwa die Formel. Hierhaben wir den Nutzen als Ziel und Zweck der Bildung,noch genauer den Erwerb, den möglichst grossen''Ge ld-gewinn. Die Bildung würde ungefähr von dieser Rich-tung aus definirt werden als die Einsicht, mit der manV sich „auf der Höhe seiner Zeit“ hält, mit der man alleWege kennt, auf denen am leichtesten Geld gemachtwird, mit der man alle Mittel beherrscht, durch die derVerkehr zwischen Menschen und Völkern geht. Dieeigentliche Bildungsaufgabe wäre demnach, möglichst„courante“ Menschen zu bilden, in der Art dessen, wasman an einer Münze „courant“ nennt. Je mehr es solchecourante Menschen gäbe, um so glücklicher sei ein Volk:und gerade das müsse die Absicht der modernen Bildungs-institute sein, jeden so weit zu fördern, als es in seinerNatur liegt „courant“ zu werden, jeden derartig auszu-bilden, dass er von seinem Maass von Erkenntniss undWissen das grösstmögliche Maass von Glück und Gewinnhat. Ein jeder müsse sich selbst genau taxiren können,