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Du glaubst im Sprunge sofort das erreichen zu können,was ich, nach langem hartnäckigem Kampfe, um alsPhilosoph überhaupt nur leben zu können, mir endlicherringen musste? Und du fürchtest nicht, dass die Ein-samkeit sich an dir rächen werde? Versuche es nur, einBildungseinsiedler zu sein — man muss einen über-schüssigen Reichthum haben, um von sich aus für alleleben zu können! •— Sonderbare Jünger! Gerade immerdas Schwerste und Höchste, was eben nur dem Meistermöglich geworden ist, glauben sie nachmachen zu müssen:während gerade sie wissen sollten, wie schwer und ge-fährlich dies sei und wie viele treffliche Begabungen nochdaran zu Grunde gehen könnten!“
„Ich will Ihnen nichts verbergen, mein Lehrer,“ sagtehier der Begleiter. „Ich habe zu viel von Ihnen gehörtund bin zu lange in Ihrer Nähe gewesen, um michunserem jetzigen Bildungs- und Erziehungswesen nochmit Haut und Haar hingeben zu können. Ich empfindezu deutlich jene heillosen Irrthümer und Missstände, aufdie Sie mit dem Finger zu zeigen pflegten — und dochmerke ich wenig von der Kraft in mir, mit der ich, beitapferem Kampfe, Erfolge haben würde. Eine allgemeineMuthlosigkeit überkam mich; die Flucht in die Einsam-keit war nicht Hochmuth, nicht Überhebung. Ich willIhnen gern beschreiben, welche Signatur ich an den jetztso lebhaft und zudringlich sich bewegenden Bildungs-und Erziehungsfragen vorgefunden habe. Es schien mir,dass ich zwei Hauptrichtungen u nterscheiden müsse, —zwei scheinbar entgegengesetzte, in ihrem Wirken gleichverderbliche, in ihren Resultaten endlich zusammen-fliessende Strömungen beherrschen die Gegenwart unsrerBildungsanstalte n: einmal der Trieb nach möglichsterErweiterung und Verbreitung der Bildu ng, dann der
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band IX.
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