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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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erben. Jeder grosse Hellene giebt die Fackel des Wett-kampfes weiter; an jeder grossen Tugend entzündet sicheine neue Grösse. Wenn der junge Themistokles imGedanken an die Lorbeern des Miltiades nicht schlafenkonnte, so entfesselte sich sein früh geweckter Trieb erstim langen Wetteifer mit Aristides zu jener einzig merk-würdigen rein instinctiven Genialität seines politischenHandelns, die uns Thukydides beschreibt. Wie charakter-istisch ist Frage und Antwort, wenn ein namhafterGegner des Perikies gefragt wird, ob er oder Perikiesder beste Ringer in der Stadt sei, und die Antwort giebt:selbst wenn ich ihn niederwerfe, leugnet er, dass ergefallen sei, erreicht seine Absicht und überredet die,welche ihn fallen sahen.

Will man recht unverhüllt jenes Gefühl in seinennaiven Äusserungen sehen, das Gefühl von der Noth-wendigkeit des Wettkampfes, wenn anders das Heil desStaates bestehen soll, so denke man an den ursprünglichenSinn des Ostrakismos: wie ihn zum Beispiel die Ephesierbei der Verbannung des Hermodor aussprechen.Unteruns soll niemand der beste sein; ist jemand es aber,so sei er anderswo und bei anderen. Denn weshalb sollniemand der beste sein? Weil damit der Wettkampfversiegen würde und der ewige Lebensgrund des helle-nischen Staates gefährdet wäre. Später bekommt derOstrakismos eine andre Stellung zum Wettkampfe: erwird angewendet, wenn die Gefahr offenkundig ist, dasseiner der grossen um die Wette kämpfenden Politikerund Parteihäupter zu schädlichen und zerstörenden Mittelnund zu bedenklichen Staatsstreichen, in der Hitze desKampfes, sich gereizt fühlt. Der ursprüngliche Sinndieser sonderbaren Einrichtung ist aber nicht der einesVentils, sondern der eines Stimulanzmittels: man beseitigt