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den überragenden Einzelnen, damit nun wieder das Wett-spiel der Kräfte erwache: ein Gedanke, der der „Ex-clusivität“ des Genius im modernen Sinne feindlich ist,aber voraussetzt, dass, in einer natürlichen Ordnungder Dinge, es immer mehrere Genies giebt, die sichgegenseitig zur That reizen, wie sie sich auch gegen-seitig in der Grenze des Maasses halten. Das ist derKern der hellenischen Wettkampf-Vorstellung: sie ver-abscheut die Alleinherrschaft und fürchtet ihre Gefahren,sie begehrt, als Schutzmittel gegen das Genie — einzweites Genie.
Jede Begabung muss sich kämpfend entfalten, sogebietet die hellenische Volkspädagogik: während dieneueren Erzieher vor nichts eine so grosse Scheu habenals vor der Entfesselung des sogenannten Ehrgeizes.Hier fürchtet man die Selbstsucht als „das Böse an sich“— mit Ausnahme der Jesuiten, die wie die Alten daringesinnt sind und deshalb wohl die wirksamsten Erzieherunserer Zeit sein mögen. Sie scheinen zu glauben, dassdie Selbstsucht d. h. das Individuelle nur das kräftigsteAgens ist, seinen Charakter aber als „gut“ und „böse“wesentlich von den Zielen bekommt, nach denen es sichausreckt. Für die Alten aber war das Ziel der agonalenErziehung die Wohlfahrt des Ganzen, der staatlichenGesellschaft. Jeder Athener z. B. sollte sein Selbst imWettkampfe so weit entwickeln, als es Athen vomhöchsten Nutzen sei und am wenigsten Schaden bringe.Es war kein Ehrgeiz in’s Ungemessene und Unzumessende,wie meistens der moderne Ehrgeiz: an das Wohl seinerMutterstadt dachte der Jüngling, wenn er um die Wettelief oder warf oder sang; ihren Ruhm wollte er in demseinigen mehren; seinen Stadtgöttern weihte er die Kränze,die die Kampfrichter ehrend auf sein Haupt setzten.