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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Die Bedeutung des Taktes als Schranke der Musik,gegen ihre grösste Wirkung. Bei Wagner empfindetman mitunter, wie Musik ohne ihn wirkt: auch hierin ist eridyllisch. Der Takt gänzlich vorbildlos in der Natur:was wäre das für eine Gewalt, die die Regungen desWillens mit gleichen Zeittheilen durchschnitte? d. h.ursprünglich ist er Abbild des Wellenschlags. Er istschon eine Gleichnissrede vom Willen: etwas Äusserliches,zu vergleichen mit den zwei Schauspielern der Tragödie;was festgehalten wird. Mit dem Takt wird die Harmonieund Melodie gleichsam gebändigt.

Der Takt ist die Rückwirkung der Mimik auf dieMusik: wie die Melodie Abbild des sprachlichen Ge-dankens, des Satzes ist. Der gehende und sprechendeMensch, insofern er Sänger ist, bestimmt die Grundformender Musik.

Die Musik hat sich in ihrer Entwicklung an dieanthropomorphischen Hauptäusserungen angeschlossen:Gang und Sprache. Richtiger wohl können wir den Gangeine Nachahmung der Musik und den sprachlichen Satzeine Nachahmung der Melodie nennen. In diesem Sinneist der ganze Mensch Erscheinung der Musik.

Dann wäre der Takt als etwas Fundamentales zuverstehen: das heisst die ursprünglichste Zeitempfindung,die Form der Zeit selbst.

184.

Die Musik in der Wagnerschen Oper bringt diePoesie in eine neue Stellung. Es kommt vielmehr aufdas Bild an, das sich immer verändernde belebte Bild,dem das Wort dient. Dem Worte nach sind die Scenennur skizzirt.