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fassen uns bemühn — uns gilt die Kunstgattung derOper als ebenso berechtigt wie das Volkslied, insofernwir in beiden jene Vereinigung des Dionysischen undApollinischen vorfinden und für die Oper — nämlich fürden höchsten Typus der Oper — eine analoge Ent-stehung voraussetzen dürfen wie für das Volkslied. Nurinsofern die uns historisch bekannte Oper seit ihrem An-fang eine völlig verschiedene Entstehung hat als dasVolkslied, verwerfen wir diese „Oper“: als welche sichzu jenem eben von uns vertheidigten Gattungsbegriff derOper verhält wie die Marionette zum lebenden Menschen.
So gewiss auch die Musik nie Mittel, im Dienste desTextes, werden kann, sondern auf jeden Fall den Textüberwindet: so wird sie doch sicherlich schlechte Musik, 'wenn der Componist jede in ihm aufsteigende dionysischeKraft durch einen ängstlichen Blick auf die Worte undGesten seiner Marionetten bricht. Hat ihm der Opern-dichter überhaupt nicht mehr als die üblichen schemati-sirten Figuren mit ihrer ägyptischen Regelmässigkeitgeboten: so wird der Werth der Oper um so höher sein,je freier, unbedingter, dionysischer die Musik sich ent-faltet und je mehr sie alle sogenannten dramatischen An-forderungen verachtet. Die Oper in diesem Sinn istdann freilich im besten Falle gute Musik und nur Musik:während die dabei abgespielte Gaukelei gleichsam nureine phantastische Verkleidung des Orchesters, vor allemseiner wichtigsten Instrumente, der Sänger, ist, von derder Einsichtige sich lachend ab wendet. Wenn die grosseMasse sich gerade an ihr ergötzt und die Musik dabeinur gestattet: so geht es ihr wie allen denen, die dengoldenen Rahmen eines guten Gemäldes höher als diesesselbst schätzen: wer möchtesolchen naivenVerirrungen nocheine ernsthafte oder gar pathetische Abfertigung gönnen?