in das kommen müssen, was der Lyriker ist, nämlich derkünstlerische Mensch, der die Musik sich durch dieSymbolik der Bilder und Affecte deuten muss, der aberdem Zuhörer nichts mitzutheilen hat: der sogar, in völligerEntrücktheit, vergisst, wer gierig lauschend in seiner Nähesteht. Und wie der Lyriker seinen Hymnus, so singtdas Volk das Volkslied, für sich, aus innerem Drange,unbekümmert, ob das Wort einem Nichtmitsingenden ver-ständlich ist. Denken wir an unsre eignen Erfahrungenim Gebiete der höheren Kunstmusik: was verstanden wirvom Texte einer Messe Palestrina’s, einer Cantate Bach’s,eines Oratoriums Händel’s, wenn wir nicht etwa selbstmitsangen? Nur für den Mitsingenden giebt es eineLyrik, giebt es Vocalmusik: der Zuhörer steht ihr gegen-über als einer absoluten Musik.
Nun aber beginnt die Oper, nach den deutlichstenZeugnissen, mit der Forderung des Zuhörers, dasWort zu verstehn.
Wie? Der Zuhörer fordert? Das Wort soll ver-standen werden?
Die Musik aber nun gar in den Dienst einer Reihevon Bildern und Begriffen zu stellen, sie als Mittel zumZweck, zu ihrer Verstärkung und Verdeutlichung, zuverwenden — diese sonderbare Anmaassung, die im Be-griff der „Oper“ gefunden wird, errinnert mich an denlächerlichen Menschen, der sich mit seinen eignen Armenin die Luft zu heben versucht: was dieser Narr, und wasdie Oper nach jenem Begriffe versuchen, sind reine Un-möglichkeiten. Jener Opernbegriff fordert nicht etwa vonder Musik einen Missbrauch, sondern — wie ich sagte —eine Unmöglichkeit! Die Musik kann nie Mittel werden,