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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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setzt. Es liegt vielmehr im Wesen der dionysischenKunst, dass sie die Rücksicht auf den Zuhörer nicht kennt:der begeisterte Dionysusdiener wird, wie ich an einerfrüheren Stelle sagte, nur von seinesgleichen verstanden.Denken wir uns aber einen Zuhörer bei jenen endemischenAusbrüchen der dionysischen Erregung, so müssten wirihm ein Schicksal weissagen, wie es Pentheus, der ent-deckte Lauscher, erlitt: nämlich von den Mänaden zer-rissen zu werden. Der Lyriker singtwie der Vogelsingt, allein, aus innerster Nöthigung und muss ver-stummen, wenn ihm der Zuhörer fordernd entgegen tritt.Deshalb würde es durchaus unnatürlich sein, vom Lyrikerzu verlangen, dass man auch die Textworte seines Liedesverstünde, unnatürlich, weil hier der Zuhörer fordert, derüberhaupt bei dem lyrischen Erguss kein Recht bean-spruchen darf. Nun frage man sich einmal aufrichtig,mit den Dichtungen der grossen antiken Lyriker in derHand, ob sie auch nur daran gedacht haben können, derumherstehenden lauschenden Volksmenge mit ihrer Bilder-und Gedankenwelt deutlich zu werden: man beantwortesich diese ernsthafte Frage, mit dem Blick auf Pindarund die äschyleischen Chorgesänge. Diese kühnsten unddunkelsten Verschlingungen des Gedankens, dieser un-gestüm sich neu gebärende Bilder strudel, dieser Orakel-ton des Ganzen, den wir, ohne die Ablenkung durchMusik und Orchestik, bei angespanntester Aufmerksam-keit so oft nicht durchdringen können diese ganzeWelt von Mirakeln sollte der griechischen Menge durch-sichtig wie Glas, ja eine bildlich-begriffliche Interpretationder Musik gewesen sein? Und mit solchen Gedanken-mysterien, wie sie Pindar enthält, hätte der wunderbareDichter die an sich eindringlich deutliche Musik nochverdeutlichen wollen? Sollte man hier nicht zur Einsicht