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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
220
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Der Lyriker deutet sich die Musik durch die symbo-lische Welt der Affecte, während er selbst, in der Ruheder apollinischen Anschauung, jenen Affecten enthobenist.

Wenn also der Musiker ein lyrisches Lied componirt,so wird er als Musiker weder durch die Bilder noch durchdie Gefühlssprache dieses Textes erregt: sondern eine ausganz andern Sphären kommende Musikerregung wähltsich jenen Liedertext als einen gleichnissartigen Ausdruckihrer selbst. Von einem nothwendigen Verhältniss zwischenLied und Musik kann also nicht die Rede sein: denn diebeiden hier in Bezug gebrachten Welten des Tons unddes Bildes stehn sich zu fern, um mehr als eine äusserlicheVerbindung eingehen zu können; das Liqd ist eben nurSymbol und verhält sich zur Musik wie die ägyptischeHieroglyphe der Tapferkeit zum tapferen Krieger selbst.Bei den höchsten Offenbarungen der Musik empfindenwir sogar unwillkürlich die Rohheit jeder Bildlichkeitund jedes zur Analogie herbeigezogenen Affeotes: wie z. B.die letzten Beethovens chen Quartette jede Anschaulich-keit, überhaupt das gesammte Reich der empirischenRealität völlig beschämen. Das Symbol hat angesichtsdes höchsten, wirklich sich offenbarenden Gottes keineBedeutung mehr: ja es erscheint jetzt als eine beleidigendeAusserlichkeit.

Man verarge uns hier nicht, wenn wir auch vondiesem Standpunkte aus den unerhörten und in seinenZaubern nicht auflösbaren letzten Satz der neuntenSymphonie Beethovens in unsre Betrachtung ziehn,um über ihn ganz unverhohlen zu reden. Dass demdithyrambischen Welterlösungsjubel dieser Musik dasSchillersche Gedichtan die Freude gänzlich incon-gruent ist, ja wie blasses Mondlicht von jenem Flammen-