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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
217
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würden sofort aufhören, Rafael zu sein: und wie aufjenem Bilde die weltlichen Instrumente zertrümmert aufder Erde liegen, so würde unsre Malervision, von demHöheren besiegt, schattengleich verblassen und verlöschen. Wie aber sollte das Wunder geschehn! Wie solltedie ganz ins Anschauen versunkene apollinische Weltdes Auges den Ton aus sich erzeugen können, der docheine Sphäre symbolisirt, die eben durch das apollinischeVerlorensein im Scheine ausgeschlossen und überwundenist! Die Lust am Scheine kann nicht aus sich die Lustam Nicht-Scheine erregen: die Wonne des Schauens istWonne nur dadurch, dass nichts uns an eine Sphäre er-innert, in der die Individuation zerbrochen und aufgehobenist. Haben wir das Apollinische im Gegensatz zumDionysischen irgendwie richtig charakterisirt, so mussuns jetzt der Gedanke nur abenteuerlich falsch dünken,welcher dem Bilde, dem Begriffe, dem Scheine irgendwiedie Kraft beimässe, den Ton aus sich zu erzeugen. Manmag uns nicht, zu unserer Widerlegung, auf den Musikerverweisen, der vorhandene lyrische Gedichte componirt:denn wir werden, nach allem Gesagten, behaupten müssen,dass das Verhältniss des lyrischen Gedichtes zu seinerComposition jedenfalls ein anderes sein muss als das desVaters zu seinem Kinde. Und zwar welches?

Hier nun wird man uns, auf Grund einer beliebtenästhetischen Anschauung, mit dem Satze entgegen-kommen:nicht das Gedicht, sondern das durch dasGedicht erzeugte Gefühl ist es, welches die Compositionaus sich gebiert. Ich stimme nicht damit überein: dasGefühl, die leisere oder stärkere Erregung jenes Lust-und Unlust-Untergrundes, ist überhaupt im Bereich derproductiven Kunst das an sich Unkünstlerische, ja erstseine gänzliche Ausschliessung ermöglicht das volle Sich-