213
ganz müssig sein mag, doch auch eine leichte und analogeBeschäftigung dabei erhalte, wodurch sogar die Auf-merksamkeit der Musik fester anhängt und folgt, auchzugleich dem, was die Töne in ihrer allgemeinen bilder-losen Sprache des Herzens besagen, ein anschaulichesBild, gleichsam ein Schema, oder wie ein Exempel zueinem allgemeinen Begriff, untergelegt wird: ja, dergleichenwird den Eindruck der Musik erhöhen.“ (Schopenhauer,Parerga II, Zur Metaphysik des Schönen und Ästhetik§ 224). Wenn wir von der naturalistisch äusserlichenMotivirung absehn, wonach unser anschauender undreflectirender Intellect beim Anhören der Musik nichtganz müssig sein mag, und die Aufmerksamkeit, an derHand einer anschaulichen Action, besser folgt, — so istvon Schopenhauer mit höchstem Rechte das Drama imVerhältniss zur Musik als ein Schema, als ein Exempelzu einem allgemeinen Begriff charakterisirt worden: undwenn er hinzufügt: „ja, dergleichen wird den Eindruckder Musik erhöhen“, so bürgt die ungeheure Allgemein-heit und Ursprünglichkeit der Vocalmusik, der Ver-bindung von Ton mit Bild und Begriff, für die Richtig-keit dieses Ausspruchs. Die Musik jedes Volkes beginntdurchaus im Bunde mit der Lyrik, und lange bevor aneine absolute Musik gedacht werden kann, durchläuft siein jener Vereinigung die wichtigsten Entwicklungsstufen.Verstehen wir diese Urlyrik eines Volkes, wie wir es jamüssen, als eine Nachahmung der künstlerisch vor-bildenden Natur, so muss uns als ursprüngliches Vorbildjener Vereinigung von Musik und Lyrik die von derNatur vorgebildete Doppelheit im Wesen der Sprachegelten: in welches wir jetzt, nach den Erörterungenüber die Stellung von Musik zum Bild, tiefer eindringenwerden.