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Was ist das Schöne? Eine Lustempfindung, dieuns die eigentlichen Absichten, die der Wille in einerErscheinung hat, verbirgt. Wodurch wird nun die Lust-empfindung erregt? Objectiv: das Schöne ist ein Lächelnder Natur, ein Überschuss von Kraft und Lustgefühldes Daseins: man denke an die Pflanze. Es ist derJungfrauenleib der Sphinx. Der Zweck des Schönen istdas zum Dasein Verführen. Was ist nun eigentlichjenes Lächeln, jenes Verführerische? Negativ: das Ver-bergen der Noth, das Wegstreichen aller Falten und derheitre Seelenblick des Dinges.
„Sieht Helena in jedem Weibe“ die Gier zum Daseinverbirgt das Unschöne. Negation der Noth, entwederwahrhafte oder scheinbare Negation der Noth ist dasSchöne. Der Laut der Muttersprache im fremden Landist schön. Das schlechteste Tonstück kann noch alsschön empfunden werden im Vergleich zu widerlichemGeheul, während es andern Tonstücken gegenüber alshässlich empfunden wird. So steht es auch mit derSchönheit der Pflanze u. s. w. Es muss sich entgegen-kommen das Bedürfniss der Negation der Noth und derAnschein einer solchen Negation.
Worin besteht nun dieser Anschein? Das Ungestüme,die Gier, das Sich-drängen, das verzerrte Sich-ausreckendarf nicht bemerkbar sein. Die eigentliche Frage ist:wie ist dies möglich? Bei der schrecklichen Natur desWillens? Nur durch eine Vorstellung, subjectiv: durchein vorgeschobenes Wahngebilde, das das Gelingen desgierigen Weltwillens vorspiegelt. Das Schöne ist einglücklicher Traum auf dem Gesichte eines Wesens,dessen Züge jetzt in Hoffnung lächeln. Mit diesem Traum,dieser Ahnung im Kopfe sieht Faust „Helena“ in jedemWeibe. Wir erfahren also, dass der Individualwille auch