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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
196
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dadurch gebrochen. Der Wille und dessen Urgrund,das Leid, ist nicht direct zu erfassen, sondern durch dieObjectivation hindurch.

Denken wir uns die Visionsgestalt des gefoltertenHeiligen: diese sind wir: wie nun leidet wieder dieVisionsgestalt und wie kommt sie zur Einsicht in ihrWesen? Der Schmerz und das Leid muss mit indie Vision übergehn, aus der Vorstellung des Ge-marterten: nun empfindet er ihre Visionsbilder, als An-schauender, nicht als Leid.

Er sieht gequälte Gestalten und schreckliche Dä-monen: diese sind nur Bilder, und das ist unsre Realität.Aber dabei bleibt immer das Fühlen und Leiden dieserVisionsgestalten ein Räthsel.

Auch der Künstler nimmt ' Harmonien und Dis-harmonien in seine Vorstellung.

Wir sind der Wille, wir sind Visionsgestalten: worinaber liegt das Band? Und was ist Nervenleben, Gehirn,Denken, Empfinden? Wir sind zugleich die An-schauenden es giebt nichts als die Vision anzuschauen wir sind die Angeschauten, nur ein Angeschauteswir sind die, in denen der ganze Process von neuementsteht. Aber leidet der Wille noch, indem er anschaut?Ja, denn hörte er auf, so hörte die Anschauung auf.Aber das Lustgefühl ist im Überschuss.

Was ist Lust, wenn nur das Leiden positiv ist?

Das Leben darzustellen als ein unerhörtes Leiden,das immer in jedem Momente eine starke Lustempfindungproducirt, wodurch wir als Empfindende ein gewissesGleichmaass, ja oft einen Überschuss der Lust erreichen.Ist das physiologisch gegründet?