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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Ist der Schmerz etwas Vorgestelltes?

Es giebt nur ein Leben, ein Empfinden, einenSchmerz, eine Lust. Wir empfinden durch und unterVermittlung von Vorstellungen. Wir kennen also denSchmerz, die Lust, das Leben nicht an sich. Der Willeist etwas Metaphysisches, das von uns vorgestellte Sich-bewegen der UrVisionen.

130.

Der Glaube der Freiheit und der Verantwortlichkeiterzeugt nun den Wahn desGuten, das heisst des reinGewollten, ohne Egoismus Gewollten. Was ist jetztEgoismus? Lustempfindung bei der Kraftäusserung desIndividuums. Gegensatz: Lustempfindung bei der Ent-äusserung des Individuums. Das Leben in den Vielen,die Lust ausser dem Individuum, unter den Individuenüberhaupt. Das Sich-Eins-fühlen mit dem Erscheinendenüberhaupt ist das Ziel. Dies ist die Liebe. Der Gottdes Heiligen ist meist die idealste Spiegelung des Er-scheinenden und insofern ist der Heilige und sein Gotteins. Die Verschönerung der Erscheinung ist das Zielvon Künstler und Heiligem, d. h. die Erscheinung zupotenziren.

131-

Wie entsteht die Kunst? Als Heilmittel der Er-kenntniss.

Das Leben nur möglich durch künstlerische Wahn-bilder.

Das empirische Dasein durch die Vorstellung bedingt.Für wen ist diese künstlerische Vorstellung nöthig?