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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
187
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Die tragische Erkenntniss ist ja auch dem Ur-Einen-Wahren gegenüber nur eine Vorstellung, ein Bild, einWahn. Insofern aber der Widerspruch d. h. der uncon-ciliatorische in diesem Bilde geschaut wird erleben wirgleichsam, wie die Scene vom besessenen Knaben dieTransfiguration herausfordert. Erzogen werden heisstnur sich auseinanderfalten. Man halte nur die Wüsteund die Qual des Heiligen für nothwendige Voraussetzungder Verzückung.

Die Einwirkung des Genius ist gewöhnlich, dass einneues Illusionsnetz über eine Masse geschlungen wird,unter dem sie leben kann. Dies ist die magische Ein-wirkung des Genius auf die untergeordneten Stufen. Zu-gleich aber giebt es eine aufsteigende Linie zum Genius:diese zerreisst immer die vorhandenen Netze, bis endlichim erreichten Genius ein höheres Kunstziel erreicht wird.

127.

Ich habe den Verdacht, dass die Dinge und dasDenken mit einander nicht adäquat sind. In der Logiknämlich herrscht der Satz des Widerspruchs, der viel-leicht nicht bei den Dingen gilt, die Verschiedenes, Ent-gegengesetztes sind.

In den höchsten Formen des Bewusstseins wird dieEinheit wiederhergestellt: in den niederen zerbröckelt sieimmer mehr. Aufhebung oder Schwächung des Bewusst-seins ist somit = Individuation. Das Bewusstsein istaber anderseits' nur ein Existenz mittel für Fortexistenzvon Individuen. Hier ist die Lösung diese: als Mittelden Intellect anzusehen gebietet der Wahn.