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Dass alle Erscheinung materiell ist, ist klar: deshalbhaben die Naturwissenschaften ein völlig berechtigtesZiel. Denn Materie sein heisst Erscheinung sein. Zu-gleich aber ergiebt sich, dass die Naturwissenschaft nurhinter dem Scheine her ist: den sie höchst ernsthaft alsRealität behandelt. In diesem Sinne ist das Reich derVorstellungen Wahnbilder u. s. w. auch Natur: und einesgleichen Studiums werth.
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Die Vorstellung, dass sich der Mensch erlösen müsse— als ob es nicht das Weltwesen wäre, das in uns er-löst würde!
126.
Wie ist eine Erziehung möglich, wenn es keineFreiheit des Willens giebt, wenn es keine Freiheit desGedankens giebt, sondern wir nur Erscheinung sind?
Dagegen zu sagen, dass es eine Erziehung im gleichenSinne giebt, wie eine Freiheit des Willens — nämlichals nothwendige Wahnvorstellung, als vorgeschobenerErklärungsgrund für ein uns gänzlich entzogenes Phä-nomen. Wenn also keine Erziehung eintritt, so ist diesein Beweis, dass jenes Phänomen nicht existirt.
Eine Erziehung zur tragischen Erkenntniss setzt alsoBestimmbarkeit des Charakters, freie Wahlentschliessungu. s. w. voraus — für die Praxis, leugnet aber theoretischdieselbe und stellt dies Problem sofort an die Spitze derErziehung. Wir werden uns immer so benehmen, wiewir sind, und nie, wie wir sein sollen.
Der Genius hat die Kraft, die Welt mit einem neuenIllusionsnetze zu umhängen: die Erziehung zum Geniusheisst das Illusionsnetz nothwendig zu machen, durcheifrige Betrachtung des Widerspruchs.