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Stande, jene herrliche schillersche Terminologie auf dasganze weiteste Bereich aller Kunst anzuwenden, sondernfinde eine erhebliche Summe von Kunstzeitaltern undKunstwerken, die ich unter jene Begriffe nicht zu bringenweiss: wenn anders ich „naiv“ richtig zu interpretirenmeine als „rein apollinisch“, als „Schein des Scheins“,dagegen „sentimentalisch“ als „unter dem Kampf der tra-gischen Erkenntniss und der Mystik geboren“. So gewissin dem „Naiven“ das ewige Merkmal einer allerhöchstenKunstgattung erkannt ist, so gewiss reicht der Begriff„sentimentalisch“ nicht hin, um die Merkmale aller nicht-naiven Kunst zusammenzufassen. Welche Verlegenheitenbereitet uns, falls wir das wollten, z. B. die griechischeTragödie und Shakespeare! Und gar die Musik! Da-gegen verstehe ich als den vollen Gegensatz des „Naiven“oder des Apollinischen das „Dionysische“, das heisst alleKunst, die nicht „Schein des Scheins“, sondern „Scheindes Seins“ ist, Wiederspiegelung des ewigen Ur-Einen;somit unsere ganze empirische Welt, welche, vom Stand-punkte des Ur-Einen aus, ein dionysisches Kunstwerkist; oder, von unserem Standpunkte aus, die Musik. Dem„Sehtimentalisch“ muss ich sogar vom höchsten Richter-stuhle aus die Geltung eines reinen Kunstwerks versagen,weil es nicht wie jene höchste und dauernde Versöhnungdes Naiven und des Dionysischen entstanden ist, sondernunruhig zwischen beiden hin- und herschwankt und ihreVereinigung nur sprungweise, ohne bleibenden Besitzerreicht, vielmehr zwischen den verschiedenen Künsten,zwischen Poesie und Prosa, Philosophie und Kunst, Be-griff und Anschauung, Wollen und Können eine unsichereStellung hat. Es ist das Kunstwerk jenes noch unent-schiedenen Kampfes, den es zu entscheiden sich anschickt,ohne dies Ziel zu erreichen; wohl aber weist es uns, wie