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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Erkennens die Wahngebilde. Die Welt des Scheins alsdie Welt der Kunst, des Werdens, der Vielheit einGegensatz zur Welt des Ur-Einen: das gleich demSchmerz und dem Widerspruch ist.

Zweck der Welt ist das schmerzlose Anschauen, derreine ästhetische Genuss: diese Welt des Scheins stehtim Gegensatz zur Welt des Schmerzes und des Wider-spruchs. Je tiefer unsere Erkenntniss in das Ur-Sein geht das wir sind um so mehr erzeugt sich auch dasreine Anschauen des Ur-Einen in uns. Der apollinischeTrieb und der dionysische in fortwährendem Fortschreiten,der eine nimmt immer die Stufe des andern ein undnöthigt zu einer tieferen Geburt der reinen Anschauung.Dies ist die Entwicklung des Menschen und so als Er-ziehungsziel zu fassen.

Die griechische Heiterkeit ist die Lust desWillens, wenn eine Stufe erreicht ist: sie erzeugt sichimmer neu: Homer, Sophokles, das Johannesevangeliumdrei Stufen derselben. Homer als Triumph der olympischenGötter über die titanischen Graunmächte. Sophokles alsder Triumph des tragischen Gedankens und Besiegung desäschyleischen Dionysusdienstes. Das Johannesevangeliumals Triumph der Mysterienseligkeit, der Heiligung.

Lösung des schopenhauerischen Problems: die Sehn-sucht ins Nichts. Nämlich: das Individuum ist nurSchein: wenn es Genius wird, so ist es Lustziel desWillens. D. h. das Ur-Eine, ewig leidend, schaut ohneSchmerz an. Unsre Realität ist einmal die des Ur-Einen,Leidenden: anderseits die Realität als Vorstellung jenesUr-Einen. Jene Selbstaufhebung des Willens, Wieder-geburt u. s. w. ist deshalb möglich, weil der Wille nichtsals Schein selbst ist, und das Ur-Eine nur in ihm eineErscheinung hat.