Fragmente der nicht ausgeführten letztenTheile der ursprünglichen Disposition.
(§ 23—26. „Kunst und Wissenschaft.“ § 27—30. „Die Metaphysikder Kunst.“ — Die vorhergehenden Theile: § 16—18 „Die tragischenMasken“; § 19—22 „Der Tod der Tragödie“ sind in die Geb. d. Trag.Kap. 9—15 übergegangen).
(Winter 1870/71.)
120.
„Inhalt der Abhandlung.“
Zwei Grundtriebe der hellenischen Kunst sind erkenn-bar, der apollinische und der dionysische. Sie vereinigensich, um eine neue Kunstform, die des tragischen Ge-dankens, zu erzeugen. Diesem höchsten Kunstziel dientder hellenische Wille in seinen Erscheinungen als Gesell-schaft Staat Weib Orakel. Jene Doppelnatur liegt aufdem Gesicht der tragischen Masken und überhaupt derTragödie ausgeprägt. Der welcher sie im Drama ver-nichtete, Euripides, folgt darin dem dämonischen Einflüssedes Sokrates. Das Ziel der Wissenschaft, welche Sokratesinaugurirte, ist die tragische Erkenntniss als Vorbereitungdes Genius. Die neue Stufe der Kunst wurde nicht vonden Griechen erreicht: es ist die germanische Mission.Die von jener tragischen Erkenntniss herausgeforderteKunst ist die Musik. Shakespeare’s Verhalten zu ihr.Zweck des Erkennens somit ein ästhetischer. Mittel des
Nietzsche, Werke II.Abtheilung. Bd. IX.
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