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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
175
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ging auf eine Wiedergeburt des Dionysus, die wir jetztals ein Ende der Individuation zu verstehen haben:diesem kommenden dritten Dionysus erscholl der brau-sende Jubelgesang der Epopten. Und nur in dieserHoffnung giebt es einen Strahl von Freude auf dem Ant-litze der zerissenen, in Individuen zerspaltenen Welt: wiees der Mythus durch die über die Zerreissung des Dio-nysus in ewige Trauer versenkte Demeter versinnbild-licht, welche zum ersten Mal wieder sich freut, als manihr sagt, sie könne den Dionysus noch einmal gebären.In den angeführten Anschauungen haben wir bereitsalle Bestandtheile der tiefsinnigsten Weltbetrachtung zu-sammen: die Grunderkenntniss von der Einheit alles Vor-handenen, die Betrachtung der Individuation als des Ur-grundes alles Übels, das Schöne und die Kunst als dieHoffnung, dass der Bann der Individuation zu zerreissensei, als die Ahnung einer wiederhergestellten Einheit.*)Ein solcher Kreis von Vorstellungen darf freilich nichtin das Bereich des Alltäglichen, in die regelmässigeCultordnung hinübergezogen werden, wenn er nicht aufdas schmählichste entstellt und verflacht werden soll.Die ganze Institution der Mysterien zielte darauf hin, nurdem diese Einsicht in Bildern zu geben, der vorbereitetsei, das heisst der auf sie durch eine heilige Noth bereitshingeführt sei. In diesen Bildern aber erkennen wir allejene excentrischen Stimmungen und Erkenntnisse wieder,die der Orgiasmus der dionysischen Frühlingsfeste fastauf einmal und neben einander erregte: die Vernichtungder Individuation, das Entsetzen über die zerbrocheneEinheit, die Hoffnung einer neuen Weltschöpfung, kurzdie Empfindung eines wonnevollen Schauders, in demdie Knoten der Lust und des Schreckens zusammen-gebunden sind. Als sich jene ekstatischen Zustände in