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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
171
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litätenbegriff sich der Pythia gegenüber ausnimmt,und ein wie ungeschicktes Wünschen es ist, eine Nationals eine sichtbare mechanische Einheit, mit gloriosemRegierungsapparat und militärischem Prunke ausgestattetsehen zu wollen. Die Natur äussert sich, wenn dieseEinheit überhaupt vorhanden ist: doch in geheimniss-vollerer Weise als in Volksabstimmungen und Zeitungs-jubel. Ich fürchte, darin dass wir den modernen Natio-nalitätenbegriff überhaupt gefasst haben, hat uns dieNatur gesagt, dass ihr nicht gerade viel an uns gelegenist. Zu überladen ist jedenfalls unser politischer Willenicht, das wird jeder von uns mit Lächeln eingestehn:und der Ausdruck dieser Verkümmerung und Schwächeist der Nationalitätenbegriff. In solchen Zeiten muss derGenius Einsiedler werden: und wer sorgt uns dafür,dass ihn nicht in der Wüste ein Löwe zerreisse?

Im Rückblick auf die letzten Auseinandersetzungenerkennen wir, dass die Pythia der deutlichste Ausdruckund das gemeinsame Centrum aller der Hülfsmechanismenist, die der griechische Wille in Bewegung setzte, um zurKunst zu kommen: in ihr, dem wahrsagenden Weibe,regulirt sich der politische Trieb, um sich nicht in Selbst-zerfleischung zu erschöpfen und seiner Aufgabe nichtentfremdet zu werden: in ihr offenbart sich Apollo,noch nicht als Kunstgott, aber als heilender sühnenderwarnender Staaten gott, der den Staat immer auf derBahn erhält, wo er sich mit dem Genius begegnen muss.Aber nicht nur als Pythia, als vorbereitende und wege-bahnende Gottheit offenbart er sich. In andern Gestaltentritt er hier und da auf, alsEinzelner selbst, als Homer,Lykurgus, Pythagoras: man wusste, weshalb diesenHeroen Tempel und göttliche Verehrung zukommen.Durch die Vorstellung des griechischen Volkes wandelt