Staatswille zuwies: darum sind sie verherrlicht wordenwie niemals wieder. Die Göttinnen der griechischenMythologie sind ihre Spiegelbilder: die Pythia und dieSibylle, ebenso wie die sokratische Diotima sind diePriesterinnen, aus denen göttliche Weisheit redet. Jetztversteht man, weshalb die stolze Resignation derSpartanerin bei der Nachricht vom Schlachtentode desSohns keine Fabel sein kann. Das Weib fühlte sich demStaate gegenüber in der richtigen Stellung: darum hattees mehr Würde, als je wieder das Weib gehabt hat.Plato, der durch Aufhebung der Familie und der Ehejene Stellung des Weibes noch verschärft, empfindet jetztsoviel Ehrfurcht vor ihnen, dass er wunderbarer Weiseverführt wird, durch nachträgliche Erklärung ihrer Gleich-stellung mit den Männern ihre ihnen zukommende Rang-ordnung wieder aufzuheben: der höchste Triumph desantiken Weibes, auch den Weisesten verführt zu haben!
So lange der Staat noch in einem embryonischenZustande ist, überwiegt das Weib als Mutter und be-stimmt den Grad und die Erscheinungen der Cultur: ingleicher Weise wie das Weib den zerrütteten Staat zuergänzen bestimmt ist. Was Tacitus von den deutschenFrauen sagt: inesse quin etiam sanctum aliquid et provi-dum putant. nec aut consilia earum aspernantu-r autresponsa neglegunt, das gilt überhaupt bei allen nochnicht zum wirklichen Staat gekommenen Völkern. Manfühlt in solchen Zuständen nur stärker, was immer wiederin jeder Zeit sich einmal bemerkbar macht, dass die In-stincte des Weibes als die Schutzwehr der zukünftigenGeneration unbezwinglich sind und dass in diesen dieNatur, in ihrer Sorge für die Erhaltung des Geschlechts,vernehmlich redet. Wie weit diese ahnende Kraft reicht,wird, wie es scheint, durch die grössere oder geringere