schliessen sich gedrungen fühlt, der soll nur ja nicht die„Gebildetheit“ des modernen Weibes und deren Ansprüchezur Richtschnur nehmen, gegen welche es einmal genügt,auf die olympischen Frauen sammt Penelope AntigoneElektra hinzuweisen. Freilich sind dies Idealgestalten,aber wer möchte aus der jetzigen Welt solche Idealeerschaffen können? —• Sodann ist doch zu erwägen, wasfür Söhne diese Weiber geboren haben und was fürWeiber es gewesen sein müssen, um solche Söhne zugebären! Das hellenische Weib als Mutter musste imDunkel leben, weil der politische Trieb, sammt seinemhöchsten Zwecke, es forderte. Es musste wie einePflanze vegetiren, im engen Kreise, als Symbol der epi-kurischen Weltweisheit: iUfS-r ßiüßag. Wiederum musstees, in der neueren Zeit, bei der völligen Zerrüttung derStaatstendenz, als Helferin eintreten: die Familie alsNothbehelf für den Staat, ist sein Werk: und in diesemSinne musste sich auch das Kunstziel des Staates zudem einer häuslichen Kunst erniedrigen. Daher ist esgekommen, dass die Liebesleidenschaft, als das einzigedem Weibe völlig zugängliche Bereich, allmählich unsreKunst bis in’s Innerste bestimmt hat. Insgleichen, dassdie Erziehung des Hauses sich gleichsam als die einzignatürliche geberdet und die des Staates nur als einenfragwürdigen Eingriff in ihre Rechte duldet: dies allesmit Recht, soweit eben vom modernen Staat dabei dieRede ist. — Das Wesen des Weibes bleibt sich dabeigleich, aber ihre Macht ist je nach der Stellung desStaates zu ihnen einei/ verschiedene. Sie haben auchwirklich die Kraft, die Lücken des Staates einigermaassenzu compensiren — immer ihrem Wesen getreu, das ichmit dem Schlaf verglichen habe. Im griechischen Alter-thum nahmen sie die Stellung ein, die ihnen der höchste
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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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168
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