— iöö —
so begriff er auch den tiefsten Grund der Stellung deshellenischen Weibes zum Staate: in beiden Fällenerblickte er in dem um ihn Vorhandenen das Abbild derihm offenbar gewordenen Ideen, vor denen freilich dasWirkliche nur Nebelbild und Schattenspiel war. Wer,nach allgemeiner Gewöhnung, die Stellung des hellenischenWeibes überhaupt für unwürdig und der Humanitätwiderstrebend hält, muss sich mit diesem Vorwurf auchgegen die platonische Auffassung dieser Stellung kehren:denn in ihr ist das Vorhandene gleichsam nur logischpräcisirt. Hier wiederholt sich also unsre Frage: solltenicht das Wesen und die Stellung des hellenischen Weibeseinen nothwendigen Bezug zu den Zielpunkten deshellenischen Willens haben?
Freilich giebt es eine Seite in der platonischen Auf-fassung des Weibes, die in schroffem Gegensätze zurhellenischen Sitte stand: Plato giebt dem Weibe völligeTheilnahme an den Rechten, Kenntnissen und Pflichtender Männer und betrachtet das Weib nur als dasschwächere Geschlecht, das es in allem nicht gerade weitbringen werde: ohne ihm doch deshalb das Anrecht aufjenes alles streitig zu machen. Dieser fremdartigen An-schauung haben wir nicht mehr Werth beizulegen alsder Vertreibung des Künstlers aus dem Idealstaate: essind dies kühn verzeichnete Nebenlinien, gleichsam Ab-irrungen der sonst so sichren Hand und des so ruhig be-trachtenden Auges, das sich mitunter einmal, im Hinblickauf den verstorbenen Meister, unmuthsvoll trübt: in dieserStimmung übertreibt er die Paradoxieen desselben undthut sich ein Genüge, seine Lehren recht excentrisch, biszur Tollkühnheit, im Übermaass seiner Liebe, zu steigern.
Das Innerste aber, was Plato als Grieche über dieStellung des Weibes zum Staate sagen konnte, war die