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nicht den Genius in seinem allgemeinen Begriff an dieSpitze stellte, sondern nur den Genius der Weisheit unddes Wissens, dass er die genialen Künstler aber über-haupt aus seinem Staate ausschloss, das war eine starreConsequenz des sokratischen Urtheils über die Kunst,das Plato, im Kampfe gegen sich selbst, zu dem seinigengemacht hatte. Diese mehr äusserliche und beinahe zu-fällige Lücke darf uns nicht hindern, in der Gesammt-conception des platonischen Staates die wunderbar grosseHieroglyphe einer tiefsinnigen und ewig zu deutenden Ge-heimlehre vom Zusammenhang zwischen Staatund Genius zu erkennen.
Als er daran dachte, sein Ideal zu verwirklichen,sah er sich, wiederum mit dem richtigen Instincte einesGriechen, nach dem Tyrannen um. Der Tyrann näm-lich, in dem sich der politische Wille eines Zustandeszur Person macht, ist in Griechenland immer auch dernatürliche Förderer und Verehrer der Künste gewesen,nicht aus einem Klugheitsgrunde, sondern weil er, alsFleisch gewordner Staatsbegriff, den eigentlichen Zweckdes Staates erfüllen muss — mögen nun dazu wiederganz eigenartige Wahnvorstellungen die Vermittler sein.
Wie sich Sophokles mit der Tragödie an den herrschen-den Demos wandte, so Plato mit seinem Staatskunstwerkan Dionysius von Syrakus. Dass dieser es nicht mehrausführen konnte, hat darin seinen Grund, dass es bereitsausgeführt war: eben darin dass Plato im Hinblick aufDionysius sein Kunstwerk schaffen konnte, war schonerreicht, was vom Staate überhaupt zu fordern war. Mehrverlangen hiesse die Athener auffordern, Kreon Antigoneund Tiresias zu sein.
Wie Plato den innersten Zweck des Staates aus § It-alien seinen Verhüllungen und Trübungen an’s Licht zog,