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Gerechtigkeit ein allzu hoch gethürmtes Bollwerk reli-giöser Ansprüche zerbricht. Was in dieser entsetzlichenConstellation der Dinge leben will, das heisst lebenmuss, ist im Grunde seines Wesens Abbild des Ur-schmerzes und Urwiderspruches, muss also in unsrerAugen „weit- und erdgemäss Organ“ fallen als unersätt-liche Gier zum Dasein und ewiges Sichwidersprechen inder Form der Zeit, also als Werden. Jeder Augenblickfrisst den vorhergehenden, jede Geburt ist der Tod un-zähliger Wesen, Zeugen Leben und Morden ist eins.Deshalb dürfen wir auch die herrliche Cultur mit einembluttriefenden Sieger vergleichen, der bei seinem Triumph-zuge die an seinen Wagen gefesselten Besiegten alsSklaven mitschleppt: als welchen eine wohlthätige Machtdie Augen verblendet hat, so dass sie, von den Räderndes Wagens fast zermalmt, doch noch rufen: „Würde derArbeit!“ „Würde des Menschen!“ Die üppige KleopatraCultur wirft immer wieder die unschätzbarsten Perlenin ihren goldenen Becher: diese Perlen sind die Thränendes Mitleidens mit dem Sklaven und mit dem Sklaven-elende. Aus der Verzärtelung des neueren Menschensind die ungeheuren socialen Nothstände der Gegenwartgeboren, nicht aus dem wahren und tiefen Erbarmen mitjenem Elende; und wenn es wahr sein sollte, dass dieGriechen an ihrem Sklaventhum zu Grunde gegangensind, so ist das andere viel gewisser, dass wir an demMangel des Sklaventhums zu Grunde gehen werden:als welches weder dem ursprünglichen Christenthum, nochdem Germanenthum irgendwie anstössig, geschweigedenn verwerflich zu sein dünkte. Wie erhebend wirktauf uns die Betrachtung des mittelalterlichen Hörigen,mit dem innerlich kräftigen und zarten Rechts- undSittenverhältnisse zu dem höher Geordneten, mit der tief-