nagt. Das Elend der mühsam lebenden Menschen mussnoch gesteigert werden, um einer geringen Anzahl olym-pischer Menschen die Production der Kunstwelt zu er-möglichen. Hier liegt der Quell jenes Ingrimms, den dieCommunisten und Socialisten und auch ihre blässerenAbkömmlinge, die weisse Rasse der „Liberalen“, jederZeit gegen die Künste, aber auch gegen das classischeAlterthum genährt haben. Wenn wirklich die Cultur imBelieben eines Volkes stünde, wenn hier nicht unentrinn-bare Mächte walteten, die dem Einzelnen Gesetz undSchranke sind, so wäre die Verachtung der Cultur, dieVerherrlichung der Armuth des Geistes, die bilder-stürmerische Vernichtung der Kunstansprüche mehr alseine Auflehnung der unterdrückten Masse gegen drohnen-artige Einzelne: es wäre der Schrei des Mitleidens, derdie Mauern der Cultur umrisse; der Trieb nach Ge-rechtigkeit, nach Gleichmaass des Leidens würde alleanderen Vorstellungen überfluthen. Wirklich hat einüberschwänglicher Grad des Mitleidens auf kurze Zeithier und da einmal alle Dämme des Culturlebens zer-brochen; ein Regenbogen der mitleidigen Liebe und desFriedens erschien mit dem ersten Aufglänzen des Christen-thums, und unter ihm wurde seine schönste Frucht, dasJohannesevangelium, geboren. Es giebt aber auch Bei-spiele, dass mächtige Religionen auf lange Perioden hinauseinen bestimmten Culturgrad versteinern und alles, wasnoch kräftig weiter wuchern will, mit unerbittlicher Sichelabschneiden. Eins nämlich ist nicht zu vergessen: die-selbe Grausamkeit, die wir im Wesen jeder Cultur fanden,liegt auch im Wesen jeder mächtigen Religion undüberhaupt in der Natur der Macht, die immer böse ist;so dass wir ebenso gut es verstehen werden, wenn eineCultur mit dem Schrei nach Freiheit oder mindestens
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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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152
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