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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
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form inaugurirt wird, wie durch jenen Act eine neueGeneration. Die Scham scheint somit dort einzutreten,wo der Mensch nur noch Werkzeug unendlich grössererWillenserscheinungen ist, als er sich selbst, in der Einzel-gestalt des Individuums, gelten darf.

Jetzt haben wir den allgemeinen Begriff, unter den § 9die Empfindungen zu ordnen sind, die die Griechen inBetreff der Arbeit und der Sklaverei hatten. Beide galtenihnen als eine nothwendige Schmach, vor der man Schamempfindet, zugleich Schmach, zugleich Nothwendigkeit.

In diesem Schamgefühl birgt sich die unbewusste Er-kenntnis, dass das eigentliche Ziel jener Voraussetzungenbedarf, dass aber in jenem Bedürfnisse das Entsetz-liche und Raubthierartige der Sphinx Natur liegt, die inder Verherrlichung des künstlerisch freien Culturlebensso schön den Jungfrauenleib vorstreckt. Die Bildung,die vornehmlich wahrhaftes Kunstbedürfniss ist, ruht aufeinem erschrecklichen Grunde: dieser aber giebt sichin der dämmernden Empfindung der Scham zu erkennen.Damit es einen breiten tiefen und ergiebigen Erdbodenfür eine Kunstentwicklung gebe, muss die ungeheureMehrzahl im Dienste einer Minderzahl, über das Maassihrer individuellen Bedürftigkeit hinaus, der Lebensnothsklavisch unterworfen sein. Auf ihre Unkosten, durchihre Mehrarbeit soll jene bevorzugte Classe dem Existenz-kämpfe entrückt werden, um nun eine neue Welt desBedürfnisses zu erzeugen und zu befriedigen.

Demgemäss müssen wir uns dazu verstehen, alsgrausam klingende Wahrheit hinzustellen, dass zumWesen einer Cultur das Sklaventhum gehöre: eineWahrheit freilich, die über den absoluten Werth des Da-seins keinen Zweifel übrig lässt. Sie ist der Geier, derdem prometheischen Förderer der Cultur an der Leber