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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
110
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71.

Alles ist eitel.Dies ist nicht wahr, sagen viele.

Dies ist wahr: wir wollen nicht mehr leben undhandeln, sagen andere.

Aber sie handeln doch fort auch der Quietismusist ein Minimum des Handelns, und es ist hier gleich-gültig, ob viel oder wenig gelebt wird.

Also wir handeln in völliger Selbstbejahung, sagenandre,wir dienen dem Weltprocess. Die Erkenntniss,dass der Einzelne sich nicht entziehen kann, hält uns.

Es ist aber gar nicht die Frage, was der Einzelnedarüber denkt: jedenfalls muss er handeln und leben,trotz aller Erkenntniss von der Eitelkeit. Diese Erkennt-niss ist sehr selten: wo sie da ist, vereinigt sie sich mitdem religiösen oder künstlerischen Bedürfniss.

Eine Weltcorrection das ist Religion oder Kunst.Wie muss die Welt erscheinen, um lebenswerth zu sein?

Jetzt kommen die anthropomorphischen Hülfsvor-stellungen. Die Religionen sind jedenfalls für die be-wusste Erkenntniss da, ein Thier hat nichts davon. DasBedürfniss nach ihnen ist um so stärker, je grösser dieErkenntniss von der Eitelkeit ist. Bei den Griechen istes gering, dagegen ist die Hässlichkeit des Daseins cor-rigirt durch ihre Götterwelt.

72.

Gottheiten unter der Form des Königs, des Vaters,des Priesters die griechische Mythologie hat alleFormen einer bedeutsamen Menschlichkeit vergöttlicht.

Der Glaube an einen Geist ist eine Einbildung: so-fort anthropomorphische, ja polytheistische Stellvertreter.