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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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mile und Dynamik ist demnach die Einzelerscheinungals Erscheinung noch zu charakterisiren, von dieserSeite kann die Musik zur Kunst des Scheins aus-gebildet werden. Der unauflösliche Rest, die Har-monie, spricht vom Willen ausserhalb und innerhalb allerErscheinungsformen, ist also nicht bloss Gefühls- sondernWeltsymbolik. Der Begriff ist in seiner Sphäre ganzun mächtig.

Jetzt begreifen wir die Bedeutung von Geberden-sprache und Tonsprache für das dionysische Kunst-werk. Im urwüchsigen Frühlingsdithyrambus des Volkeswill sich der Mensch nicht als Individuum, sondern alsGattungsmensch aussprechen. Dass er aufhört indivi-dueller Mensch zu sein, wird durch die Symbolik desAuges, die Geberdensprache, so ausgedrückt, dass er alsSatyr, als Naturwesen unter Natur wesen in Geberdenredet und zwar in der gesteigerten Geberdensprache, inder Tanzgeberde. Durch den Ton aber spricht er dieinnersten Gedanken der Natur aus: nicht nur der Geniusder Gattung, wie in der Geberde, sondern der Geniusdes Daseins an sich, der Wille, macht sich hier unmittel-bar verständlich. Mit der Geberde also bleibt er inner-halb der Grenzen der Gattung, also der Erscheinungs-welt, mit dem Tone aber löst er die Welt der Erscheinunggleichsam auf in seine ursprüngliche Einheit, die Weltder Maja verschwindet vor seinem Zauber.

Wann aber kommt der Naturmensch zu der Sym-bolik des Tons? Wann reicht die Geberdensprache nichtmehr aus? Wann wird der Ton zur Musik? Vor allemin den höchsten Lust- und Unlustzuständen des Willens,als jubelnder Wille oder zum Tode geängsteter, kurz imRausche des Gefühls: im Schrei. Um wie viel mäch-tiger und unmittelbarer ist der Schrei gegenüber dem