Druckschrift 
9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

95

es ist genug, wenn es wahr scheint Das dargestellteObject soll möglichst sinnlich lebendig aufgefasst werden;es soll als Wahrheit wirken: eine Forderung, derenGegentheil bei jedem Werke des schönen Scheins be-ansprucht wird.

Wenn aber die Geberde am Gefühl die begleitendenVorstellungen symbolisirt, unter welchem Symbol werdenuns die Regungen des Willens selbst zum Verständ-niss mitgetheilt? Welches ist hier die instinctive Ver-mittelung?

Die Vermittelung des Tones. Genauer genom-men sind es die verschiedenen Weisen der Lust und derUnlust ohne jede begleitende Vorstellung, die derTon symbolisirt.

Alles, was wir zur Charakteristik der verschiedenenUnlustempfindungen aussagen können, sind Bilder vonden durch die Symbolik der Geberde deutlich gewordenenVorstellungen: zum Beispiel, wenn wir vom plötzlichenSchreck, vomKlopfen, Ziehen, Zucken,Stechen,Schneiden,Beissen, Kitzeln des Schmerzes reden. Damit scheinengewisseIntermittenzformen des Willens ausgedrücktzu sein, kurz in der Symbolik der Tonsprache dieRhythmik. Die Fülle der Steigerungen des Willens,die wechselnde Quantität von Lust und Unlust erkennenwir wieder in der Dynamik des Tons. Aber das eigent-liche Wesen desselben birgt sich, ohne sich gleichniss-weise ausdrücken zu lassen, in der Flarmonie. DerWille und sein Symbol die Harmonie beide imletzten Grunde die reine Logik! Während die Rhythmikund die Dynamik gewissermaassen noch Aussenseitendes in Symbolen kundgegebenen Willens sind, fast nochden Typus der Erscheinung an sich tragen, ist die Har-monie Symbol der reinen Essenz des Willens. In Rhyth-