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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
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den, sodann dass die Statue wandelt, die Gemälde derPeriakten sich verschieben, bald der Tempel, bald derPalast dem Auge durch dieselbe Hinterwand vorgeführtwird. Wir bemerken also zugleich eine gewisse Gleich-gültigkeit gegen den Schein, der seine ewigen An-sprüche, seine souveränen Forderungen hier aufgebenmuss. Durchaus nicht wird mehr der Schein als Scheingenossen, sondern als Symbol, als Zeichen der Wahr-heit. Daher die an sich anstössige Verschmelzungder Kunstmittel. Das deutlichste Anzeichen dieser Ge-ringschätzung des Scheins ist die Maske.

An den Zuschauer wird also die dionysische For-derung gestellt, dass ihm sich alles verzaubert vorstellt,dass er immer mehr sieht als das Symbol, dass die ganzesichtbare Welt der Scene und der Orchestra das Reichder Wunder ist. Wo aber ist die Macht, die ihn inj die wundergläubige Stimmung versetzt, .durch die er alles| verzaubert sieht? Wer besiegt die Macht des Scheinsl und depotenzirt ihn zum Symbol?

Dies ist die Musik.

Was wirGefühl nennen, das lehrt die auf Schopen-hauers Bahnen wandelnde Philosophie als einen Complexvon unbewussten Vorstellungen und Willenszuständenbegreifen. Die Strebungen des Willens aber äussern sichals Lust oder Unlust und zeigen darin nur quantitativeVerschiedenheit. Es giebt keine Arten von Lust, wohlaber Grade und eine Unzahl begleitender Vorstellungen.Unter Lust haben wir die Befriedigung des einenWillens, unter Unlust seine Nichtbefriedigung zu ver-stehen.

In welcher Weise theilt sich nun das Gefühl mit?Theilweise, aber sehr theilweise kann es in Gedanken,also in bewusste Vorstellungen umgesetzt werden; dies