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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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zum Schaffen empfunden, sei dies nun ein heiligendesoder ein künstlerisches. Das Schreckliche oder das Ab-surde ist erhebend, weil es nur scheinbar schrecklichoder absurd ist. Die dionysische Kraft der Verzauberungbewährt sich hier noch auf.der höchsten Spitze dieserWeltanschauung: alles Wirkliche löst sich in Schein auf,und hinter ihm thut sich die einheitliche Willensnaturkund, ganz in die Glorie der Weisheit und Wahrheit, inblendenden Glanz gehüllt. Die Illusion, der Wahnist auf seiner Höhe.

Jetzt wird es nicht mehr unbegreiflich dünken, dassderselbe Wille, der als apollinischer die hellenische Weltordnete, seine andre Erscheinungsform, den dionysischenWillen in sich aufnahm. Der Kampf beider Erscheinungs-formen des Willens hatte ein ausserordentliches Ziel, einehöhere Möglichkeit des Daseins zu schaffen undauch in dieser zu einer noch höheren Verherrlichung(durch die Kunst) zu kommen. Nicht mehr die Kunstdes Scheines, sondern die tragische Kunst war die Formder Verherrlichung: in ihr aber ist jene Kunst des Scheinesvollständig aufgesaugt. Apollo und Dionysus haben sichvereinigt. Wie in das apollinische Leben das dionysischeElement eingedrungen ist, wie sich der Schein als Grenzeauch hier festgesetzt hat, so ist auch die dionysisch-tragische Kunst nicht mehrWahrheit. Nicht mehr istjenes Singen und Tanzen instinctiver Naturrausch: nichtmehr ist die dionysisch erregte Chormasse die unbewusstvom Frühlingstrieb gepackte Volksmasse. Die Wahrheitwird jetzt symbolisirt, sie bedient sich des Scheines,sie kann und muss darum auch die Künste des Scheinsgebrauchen. Schon aber zeigt sich ein grosser Unter-schied gegen die frühere Kunst, dass jetzt alle Kunst-mittel des Scheines gemeinsam zu Hülfe gezogen wer-