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schon an der Auflösung der Tragödie gearbeitet. WennTugend Wissen ist, so muss der tugendhafte Held Dialek-tiker sein. Bei der ausserordentlichen Flachheit undDürftigkeit des ethischen, gänzlich unentwickelten Denkenserscheint nur zu oft der ethisch dialektisirende Held alsder Herold der sittlichen Trivialität und Philisterei. Manmuss nur den Muth haben, sich dies einzugestehn, manmuss bekennen, um von Euripides ganz zu schweigen,dass auch die schönsten Gestalten der sophokleischenTragödie, eine Antigone, eine Elektra, ein Ödipus, mit-unter auf ganz unerträglich triviale Gedankengänge ge-rathen, dass durchweg die dramatischen Charaktere schönerund grossartiger sind als ihre Kundgebung in Worten.Ungleich günstiger muss von diesem Standpunkte ausunser Urtheil über die ältere äschyleische Tragödie aus-fallen: dafür schuf Äschylus auch unbewusst sein Bestes.Wir haben ja an der Sprache und CharakterzeichnungShakespeare’s den unverrückbaren Stützpunkt für solcheVergleichungen. Bei ihm ist eine ethische Weisheit zufinden, dass ihr gegenüber der Sokratismus etwas vorlautund altklug erscheint.
Die Tragödie gieng an einer optimistischen Dialektikund Ethik zu Grunde; das will ebenso viel sagen als:das Musikdrama gieng an einem Mangel an Musik zuGrunde. Der eingedrungne Sokratismus in der Tragödiehat es verhindert, dass die Musik sich nicht mit dem Dialogund Monolog verschmolzen hat: ob sie gleich in deräschyleischen Tragödie den erfolgreichsten Anfang dazugemacht hatte. Wiederum eine Folge war es, dass dieimmer mehr eingeschränkte, in immer engere Grenzengetriebene Musik sich in der Tragödie nicht mehr hei-misch fühlte, sondern ausserhalb derselben als absoluteKunst sich freier und kühner entwickelte. Es ist lächer-