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gewirkt. Das Verderben nahm seinen Ausgangspunktvom Dialog. Der Dialog ist bekanntlich nicht ursprüng-lich in der Tragödie: erst seitdem es zwei Schauspielergab, also verhältnissmässig spät, entwickelte sich derDialog. Schon vorher gab es ein Analogon in der Wechsel-rede zwischen dem Helden und dem Chorführer: aberhier war doch der dialektische Streit bei der Unter-ordnung des einen unter den anderen unmöglich. Sobaldaber zwei gleichberechtigte Hauptspieler sich gegenüberstanden, so erhob sich, einem tief hellenischen Triebe ge-mäss, der Wettkampf und zwar der Wettkampf mit Wortund Grund: während der verliebte Dialog der griechischenTragödie immer fern blieb. Mit jenem Wettkampf wurdean ein Element in der Brust des Zuhörers appellirt, dasbis dahin als kunstfeindlich und musenverhasst aus denfestlichen Räumen der dramatischen Künste verbanntwar: die „böse“ Eris. Die gute Eris waltete ja vonAlters her bei allen musikalischen Handlungen und führtein der Tragödie drei wettkämpfende Dichter vor daszum Richten versammelte Volk. Als aber das Abbilddes Wortzwistes aus der Gerichtshalle sich auch in dieTragödie eingedrängt hatte, da entstand zum ersten Maleein Dualismus in dem Wesen und der Wirkung desMusik-Dramas. Von jetzt ab gab es Theile der Tragödie,in denen das Mitleid zurücktrat, gegenüber der hellenFreude am klirrenden Waffenspiel der Dialektik. DerHeld des Dramas durfte nicht unterliegen, er musste alsojetzt auch zum Worthelden gemacht werden. Der Pro-cess, der in der sogenannten Stichomythie seinen An-fang genommen hatte, setzte sich fort und drang auchin die längeren Reden der Hauptspieler. Allmählichsprechen alle Personen mit einem solchen Aufwand vonScharfsinn, Klarheit und Durchsichtigkeit, so dass für