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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Tragiker diesem sonderbaren nicht mitspielenden und dochmitspielendenChor zu liebe die Decorationen nichtändern durfte, wie sich Sprache und Geste auf der Bühnenach ihm modelte: so verlangte der antike Chor für dieganze Handlung in jedem Drama Öffentlichkeit der Hand-lung, den freien Platz als die Actionsstätte der Tragödie.Dies ist eine verwegene Forderung: denn die tragischeThat und die Vorbereitung zu ihr pflegt sich geradenicht auf der Strasse finden zu lassen, sondern erwächstam besten in der Verborgenheit. Alles öffentlich, alles imhellen Licht, alles in Gegenwart des Chors das wardie grausame Forderung. Nicht dass man aus irgendeiner ästhetischen Spitzfindigkeit dies irgendwann einmalals Forderung ausgesprochen hätte: vielmehr war indem langen Entwicklungsprocess des Dramas diese Stufeerreicht worden, und man hatte sie festgehalten mitdem Instinct, dass hier für den tüchtigen Genius einetüchtige Aufgabe zu lösen sei. Es ist ja bekannt, dassursprünglich die Tragödie nichts als ein grosser Chor-gesang war: diese historische Erkenntniss giebt aber inder That den Schlüssel zu jenem wunderlichen Problem.Die Haupt- und Gesammtwirkung der antiken Tragödieberuhte in der besten Zeit immer noch auf dem Chore:er war der Factor, mit dem vor allem gerechnet werdenmusste, den man nicht bei Seite lassen durfte. JeneStufe, in der sich das Drama ungefähr von Aschylus bisEuripides hielt, ist die, in der der Chor soweit zurück-.gedrängt war, um eben gerade noch die Gesammtfärbunganzugeben. Noch ein einziger Schritt weiter und dieScene herrschte über die Orchestra, die Colonie über dieMutterstadt; die Dialektik der Bühnenpersonen und ihreEinzelgesänge traten vor und überwältigten den bishergültigen cliorisch-musikalischen Gesammteindruck. Dieser