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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
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Kunst geht das stolze Gesetz, dass nur das Schwersteeine Aufgabe für den freien Mann ist. So hieng dieAutorität und der Ruhm eines plastischen Kunstwerkessehr von der Schwierigkeit der Bearbeitung, der Härtedes verwendeten Stoffes ab. Zu den besonderen Schwierig-keiten, vermöge deren der Weg zur dramatischen Be-rühmtheit niemals ein sehr breiter geworden ist, gehörtdie beschränkte Zahl der Schauspieler, die Verwendungdes Chors, der begrenzte Mythenkreis, vor allem aberjene Fünfkämpfertugend, die Nothwendigkeit, als Dichterund Musiker, in der Orchestik und der Regie, zuletztals Schauspieler productiv begabt zu sein. Das, was fürunsre dramatischen Dichter immer der Rettungsanker ist,das ist die Neuheit und damit das Interessante ihresStoffes, den sie für ihr Drama gewählt haben. Sie denken,wie die italienischen Improvisatoren, die eine neue Ge-schichte bis zu ihrem Höhepunkte und zur höchstenSteigerung der Spannung erzählen und dann überzeugtsind, dass niemand mehr vor Schluss davongeht. DasFesthalten bis zum Schluss durch den Reiz des Interessan-ten war nun bei den griechischen Tragikern etwas Un-erhörtes: die Stoffe ihrer Meisterwerke waren altbekanntund in epischer und lyrischer Form den Zuhörern vonKindheit an vertraut. Es war bereits eine Heldenthatfür einen Orest und einen Ödipus wahrhafte Theilnahmezu erwecken: aber wie beschränkt, wie eigensinnig ein-geengt waren die Mittel, die zur Erregung dieser Theil-nahme gebraucht werden durften! Hier kommt vorallem der Chor in Betracht, der für den antiken Dichterebenso wichtig war wie für den französischen Tragikerdie vornehmen Personen, die zu beiden Seiten der Sceneihre Sitze hatten und die Bühne gewissermaassen in einfürstliches Vorzimmer verwandelten. Wie der französische