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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
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ein Schritt noch nöthig: wir kehren nicht wieder in unszurück, sondern gehen in ein anderes Wesen ein, sodasswir uns als Verzauberte geberden. Daher rührt im letztenGrunde das tiefe Erstaunen beim Anblick des Dramas:der Boden wankt, der Glaube an die Unlöslichkeit undStarrheit des Individuums. Und wie der dionysischeSchwärmer an seine Verwandlung glaubt, recht im Gegen-satz zu Zettel im Sommernachtstraum, so glaubt der dra-matische Dichter an die Wirklichkeit seiner Gestalten.Wer diesen Glauben nicht hat, der kann zwar noch zuden Thyrsusschwingern, den Dilettanten gehören, nichtaber zu den rechten Dienern des Dionysus, den Bacchen.

Etwas von diesem dionysischen Naturleben war inder Blüthezeit des attischen Dramas auch noch in derSeele der Zuhörer. Das war kein faules fatiguirtes all-abendliches Abonnementspublikum, das mit müden abge-hetzten Sinnen zum Theater kommt, um sich hier in Emotionversetzen zu lassen. Im Gegensatz zu diesem Publikum,das die Zwangsjacke unseres heutigen Theaterwesens ist,hatte der athenische Zuschauer seine frischen morgend-lichen, festlich angeregten Sinne noch, wenn er sich aufden Stufen des Theaters niederliess. Das Einfache warfür ihn noch nicht zu einfach: seine ästhetische Gelehr-samkeit bestand in den Erinnerungen an frühere glück-liche Theatertage, sein Zutrauen zu dem dramatischenGenius seines Volkes war grenzenlos. Was das Wich-tigste aber ist, er schlürfte den Trank der Tragödie soselten, dass er ihn jedesmal wie zum ersten Male genoss.In diesem Sinne will ich das Wort des bedeutendstenlebenden Architekten anführen, der für die Deckengemäldeund ausgemalten Kuppeln sein Votum abgiebt.Nichtsist vortheilhafter, sagt er, für das Kunstwerk, als dasEntrücktsein aus der vulgären unmittelbaren Berührung