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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
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lernen müssten, wie man als ganzer Mensch zu geniessenhabe: während es zu befürchten ist, dass man, auch hin-gestellt vor ein derartiges Werk, es sich in lauter Stückezerlegen würde, um es sich anzueignen. Ich glaube so-gar, dass wer von uns plötzlich in eine athenische .Fest-vorstellung versetzt würde, zunächst den Eindruck einesgänzlich fremdartigen und barbarischen Schauspiels habenwürde. Und dies aus sehr vielen Gründen. In hellsterTagessonne, ohne alle die geheimnissvollen Wirkungen desAbends und des Lampenlichts, in grellster Wirklichkeitsähe er einen ungeheuren offnen Raum mit Menschenüberfüllt: aller Blicke hingerichtet auf eine in der Tiefewunderbar sich bewegende maskirte Männerschaar undein paar übermenschlich grosse Puppen, die aufeinem langen schmalen Bühnenraume im langsamstenZeitmaasse auf- und niederschreiten. Denn wie andersals Puppen müssen wir jene Wesen nennen, die auf denhohen Stelzen der Kothurne stehend, mit riesenmässigenden Kopf überragenden stark bemalten Masken vor demGesicht, an Brust und Leib, Armen und Beinen bis indas Unnatürliche ausgepolstert und ausgestopft, sich kaumbewegen können, niedergedrückt von der Last eines tiefherabfallenden Schleppgewandes und eines mächtigenKopfputzes. Dabei haben diese Gestalten durch die weitgeöffneten Mundlöcher im stärksten Tone zu reden undzu singen, um sich einer Zuschauermasse von mehr als20000 Menschen verständlich zu machen: fürwahr, eineHeldenaufgabe, die eines marathonischen Kämpfers würdigist. Noch grösser aber wird unsre Bewunderung, wennwir vernehmen, dass der Einzelne von diesen Schauspieler-Sängern in zehnstündiger Anspannung gegen 1600 Versevon sich zu geben hat, darunter wenigstens sechs grössereund kleinere Gesangsstücke. Und dies vor einem Publi-