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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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so verzerrt auch alle Verhältnisse an der sogenanntengrossen Oper sind, so sehr sie selbst ein Product derZerstreuung, nicht der Sammlung ist, die Sclavin schlech-tester Reimerei und unwürdiger Musik: so sehr hieralles Lüge und Schamlosigkeit ist: immerhin giebt eskein anderes Mittel, iüber Sophokles sich klar zu werden,als indem wir aus dieser Carricatur das Urbild zu er-rathen suchen und alles Verbogene und Verzerrte in be-geisterter Stunde uns hinwegdenken. Jenes Phantasiebildmuss dann sorgfältig untersucht und, seinen einzelnenTheilen nach, mit der Tradition des Alterthums zusammen-gehalten werden, damit wir nicht etwa das Hellenischeüberhellenisiren und ein Kunstwerk uns ausdenken, dasnirgends in aller Welt eine Heimath hat. Das ist keinegeringe Gefahr. Galt es doch bis vor nicht lange alsunbedingtes Kunstaxiom, dass alle ideale Plastik farblossein müsse, dass die antike Sculptur die Anwendung derFarbe nicht zulasse. Ganz langsam und unter demheftigsten Widerstreben jener Hyperhellenen, hat sichdie polychrome Anschauung der antiken Plastik Bahngebrochen, nach der sie nicht mehr nackt, sondern miteinem farbigen Überzug bekleidet gedacht werden muss.In ähnlicher Weise erfreut sich der ästhetische Satz einerallgemeinen Beliebtheit, dass eine Verbindung zweier undmehrerer Künste keine Erhöhung des ästhetischen Ge-nusses erzeugen könne, vielmehr eine barbarische Ge-schmacksverirrung sei. Dieser Satz aber beweist höchstensdie schlechte moderne Gewöhnung, dass wir nicht mehrals ganze Menschen geniessen können: wir sind gleich-sam durch die absoluten Künste in Stücke zerrissen undgeniessen nun auch als Stücke, bald als Ohrenmenschen,bald als Augenmenschen u. s. w. Halten wir dagegen,wie der geistvolle Anselm Feuerbach sich jenes antike