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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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Wurzel des Dramas, das Fastnachtspiel, seit der Reformationuntergraben worden; seitdem wurde die Neuschöpfungeiner nationalen Form kaum wieder versucht, dagegennach den vorhandenen Mustern fremder Nationen gedachtund gedichtet. Für die Entwicklung der modernen Künsteist die Gelehrsamkeit, das bewusste Wissen und Viel wissender eigentliche Hemmschuh: alles Wachsen und Werdenim Reiche der Kunst muss in tiefer Nacht vor sich gehen.Die Geschichte der Musik lehrt es, dass die gesundeWeiterentwicklung der griechischen Musik im frühenMittelalter plötzlich auf das stärkste gehemmt und be-einträchtigt wurde, als man in Theorie und Praxis mitGelehrsamkeit auf das Alte zurückgieng. Das Resultat war

eine unglaubliche Verkümmerung des Geschmacks:-

Es war dies Litteraturmusik, Lesemusik. Was uns hierals helle Absurdität anmuthet, dürfte auf dem Gebiete,das ich besprechen will, wohl nur wenigen sogleich alssolche einleuchten. Ich behaupte nämlich, dass der unsbekannte Äschylus und Sophokles uns nur als Textbuch-dichter, als Librettisten bekannt sind, das heisst dass sieuns eben unbekannt sind. Während wir nämlich im Be-reich der Musik über das gelehrte Schattenspiel einerLesemusik längst hinaus sind, ist im Gebiete der Poesiedie Unnatürlichkeit der Buchdichtung so allein herrschend,dass es Besinnung kostet, sich zu sagen, inwiefern wirgegen Pindar Äschylus und Sophokles ungerecht seinmüssen, ja weshalb wir sie eigentlich nicht kennen. Wennwir sie als Dichter bezeichnen, so meinen wir eben Buch-dichter: gerade damit aber verlieren wir jeden Einblickin ihr Wesen, das uns einzig aufgeht, wenn wir dieOper uns einmal in kräftiger phantasiereicher Stunde soidealisirt vor die Seele führen, dass uns eben die An-schauung des antiken Musikdramas sich erschliesst. Denn

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