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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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seiner sogenannten neueren Komödie entnommen sei.Und in der That hat sich aus ihr, in ungeheuren Zeit-räumen, das romanisch - germanische Mysterien- undMoralitätenspiel, zuletzt die Tragödie Shakespeares ent-faltet: in ähnlicher Weise, wie in der äusseren Form derBühne Shakespeares' die genealogische Verwandtschaftmit der der neueren attischen Komödie nicht verkanntwerden darf. Während wir nun hier eine natürlich vor-wärtsschreitende, durch Jahrtausende fortgesetzte Ent-wicklung anzuerkennen haben, ist jene wirkliche Tragödiedes Alterthums, das Kunstwerk des Aschylus und Sopho-kles, der modernen Kunst willkürlich eingeimpft worden.Das, was wir heute die Oper nennen, das Zerrbild desantiken Musikdramas, ist durch directe Nachäffung desAlterthums entstanden: ohne die unbewusste Kraft einesnatürlichen Triebes, nach einer abstracten Theorie ge-bildet, hat sie sich, wie ein künstlich erzeugter homunculus,als der böse Kobold unserer modernen Musikentwicklunggeberdet. Jene vornehmen und gelehrt gebildeten Floren-tiner, die im Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts dieEntstehung der Oper veranlassten, hatten die deutlichausgesprochene Absicht, die Wirkungen der Musik zuerneuern, die sie im Alterthume, nach so vielen beredtenZeugnissen, gehabt habe. Merkwürdig! Schon der ersteGedanke an die Oper war ein Haschen nach Effect.Durch solche Experimente werden die Wurzeln einerunbewussten, aus dem Volksleben herauswachsendenKunst abgeschnitten oder mindestens arg verstümmelt.So wurde in Frankreich das volksthümliche Drama durchdie sogenannte classische Tragödie verdrängt, also durcheine rein auf gelehrtem Wege entstandene Gattung, diedie Quintessenz des Tragischen, ohne alle Beimischungen,enthalten sollte. Auch in Deutschland ist die natürliche