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Alle diese Richtungen gehn davon aus, dass dasProblem des gegenwärtigen Bestandes jener Epen zulösen sei vom Standpunkte eines ästhetischen Urtheilsaus: man erwartet die Entscheidung von der richtigenFestsetzung der Grenzlinie zwischen dem genialen In-dividuum und der dichterischen Volksseele. Giebt escharakteristische Unterschiede zwischen den Äusserungendes genialen Individuums und der dichterischenVolksseele?
Aber diese ganze Gegenüberstellung ist eine un-berechtigte und führt in die Irre. Dieses lehrt folgendeErwägung. Es giebt in der modernen Ästhetik keinengefährlicheren Gegensatz als den von Volksdichtungund Individualdichtung oder, wie man zu sagenpflegt, Kunstdichtung. Es ist dies der Rückschlagoder wenn man will der Aberglaube, den die folgen-reichste Entdeckung der historisch-philologischen Wissen-schaft nach sich zog, die Entdeckung und Würdigungder Volksseele. Mit ihr nämlich war erst der Bodengeschaffen für eine annähernd wissenschaftliche Betrach-tung der Geschichte, die bis dahin, und in vielen Formenbis jetzt, eine einfache Stoffsammlung war, mit der Aus-sicht, dass dieser Stoff sich in’s Unendliche häufe, undes nie gelingen werde Gesetz und Regel dieses ewigneuen Wellenschlags zu entdecken. Jetzt begriff manzum ersten Male die längst empfundene Macht grössererIndividualitäten und Willenserscheinurigen, als es dasverschwindende Minimum des einzelnen Menschen ist;jetzt erkannte man, wie alles wahrhaft Grosse und Weit-hintreffende im Reiche des Willens seine am tiefsteneingesenkte Wurzel nicht in der so kurzlebigen undunkräftigen Einzelgestalt des Willens haben könne; jetztendlich fühlte man die grossen Masseninstincte, die un-