XVIII
Lebens von dem grossen Mystagogen Schopenhauer ge-zeigt worden sind“, eine reiche überreiche Natur mit tiefenkünstlerischen Hängen, die nach Schaffen, nach Lebenin grossem Stil, nach Ganzheit dürstet, die bereits jenseitsaller rein gelehrtenhaften Neugier steht und alle Erkennt-nis in Saft und Blut wandeln will und muss, deren Idealvon Anbeginn die „Weisheit“, nicht die „Wissenschaft“war — ein solcher Mensch soll junge Leute zu Specialistenoder Gymnasiallehrern abrichten! Dazu trat ihm in Baselder grosse Künstler leibhaftig nahe, seine Sehnsucht nacheigenem Schaffen beflügelnd. „Zustand unterdrückter Ideali-tät 1869. Erkenntnis dessen Weihnachten auf Tribschen“schreibt er Anfangs 1870 in ein Studienheft. Wie er esnun versucht hat, seine Wissenschaft mit „neuem Blutezu durchdringen“, wie er das Bild des Künstlers unddes Philosophen, wie sie ihm aufgegangen waren, imAlterthum sucht, wie er seine Sehnsucht und Liebe in’sAlterthum rückwärts projicirt, wie ihm dabei eine neueAuffassung des älteren LIellenenthums aufgeht und wieer den schönen Traum einer Wiedergeburt des deutschenGeistes aus dem hellenischen Alterthum geträumt, dasist eine Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll,deren einzelne Stadien man aber aus den hier abge-druckten Fragmenten deutlich ablesen kann. Im Jahr1877 am 3°- Aug. schreibt er Briefb. I, 416: „Ich weisses, fühle es, dass es eine höhere Bestimmung für michgiebt, als sie sich in meiner Baseler so achtbaren Stellungausspricht; auch bin ich mehr als ein Philologe, so sehrich für meine höhere Aufgabe auch die Philologie selbstgebrauchen kann. ,Ich lechze nach mir“ — das wareigentlich das fortwährende Thema meiner letzten zehnJahre“.