XVI
Ritschl’s hin als Universitätsprofessor berufen wurde,hegte er weitreichende philologische Pläne. Man hat sichgewöhnt, auch auf Äusserungen Nietzsche’s selbst hin überseine philologische Vergangenheit und die Philologieüberhaupt, vom Philologen Nietzsche fast gar nicht zureden und die Philologie mehr als etwas ihm Fremdes,durch äussere Einflüsse Aufgedrungenes, von dem er sichnachher gern und leicht losgelöst, zu betrachten. Sehrmit Unrecht: er war mehr Philolog, als man jetzt glaubtund weiss. Die Veröffentlichung einer Auswahl seinerPhilologica, die wahrscheinlich bald erfolgt, wird zeigen,wie viel Werthvolles hier unvollendet zurückblieb, als ihnsein J'atum zur Philosophie riss. Die erste Leipziger Zeitzeigt schon den kühnen Plan einer kritischen Geschichteder griechischen Litteratur, von der die Arbeiten überTheognis, Diogenes Laertius, Demokrit, PIomer-Hesiodnur Theile, Präludien sein sollten. Vor Leipzig fallen,ausser Theognis und Danaelied, Gedanken über dieÄsthetik der Tragödie, Äschylus und Sophokles, gewiss— wie auch aus persönlichen Mittheilungen Deussenshervorgeht — durch den Unterricht in Schulpforta an-geregt. In der zweiten Leipziger Zeit taucht schon derPlan „die griechischen Philosophen als Künstler“ auf:aus dem Bonner Aufenthalt weiss Deussen noch nichts vonsolchen Studien. Die Vermuthung liegt nahe, dass ihnausser seinem Diogenes-Studium speciell Schopenhauer’s„Fragmente zur Geschichte der Philosophie“ lebhaft an-geregt haben.
Der Gedanke drängt sich auf, welchen Weg Nietzschegenommen hätte, wenn der frühe Ruf nicht gekommenwäre. Wir wissen, z. B. aus dem im Anhang zur Bio-graphie Band I Gedruckten, wie tief damals schon seineSkepsis bohrte über den Werth der Philologie und der