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Unser neues „Unendliches“. — Wie weit derperspectivische Charakter des Daseins reicht oder gar, obes irgend einen andren Charakter noch hat, ob nicht einDasein ohne Auslegung, ohne „Sinn“ eben zum „Unsinn“wird, ob, andrerseits, nicht alles Dasein essentiell einauslegendes Dasein ist — das kann, wie billig, auchdurch die fleissigste und peinlich-gewissenhafteste Ana-lysis und Selbstprüfung des Intellects nicht ausgemachtwerden: da der menschliche Intellect bei dieser Analysisnicht umhin kann, sich selbst unter seinen perspectivischenFormen zu sehn und nur in ihnen zu sehn. Wir könnennicht um unsre Ecke sehn: es ist eine hoffnungsloseNeugierde, wissen zu wollen, was es noch für andreArten Intellect und Perspective geben könnte: zumBeispiel, ob irgend welche Wesen die Zeit zurück oderabwechselnd vorwärts und rückwärts empfinden können(womit eine andre Richtung des Lebens und ein andrerBegriff von Ursache und Wirkung gegeben wäre). Aberich denke, wir sind heute zum Mindesten ferne von derlächerlichen Unbescheidenheit, von unsrer Ecke aus zudecretiren, dass man nur von dieser Ecke aus Perspec-tiven haben dürfe. Die Welt ist uns vielmehr nocheinmal „unendlich“ geworden: insofern wir die Möglichkeitnicht abweisen können, dass sie unendliche Inter-pretationen in sich schliesst. Noch einmal fasstuns der grosse Schauder — aber wer hätte wohl Lust,dieses Ungeheure von unbekannter Welt nach alterWeise sofort wieder zu vergöttlichen? Und etwa dasUnbekannte fürderhin als „den Unbekannten“ anzubeten?Ach, es sind zu viele ungöttliche Möglichkeiten derInterpretation mit in dieses Unbekannte eingerechnet, zu